Über den Schnauzer - ein kleines Rasseporträt
Der Schnauzer ist stets "da" und so der Typ, der morgens schon gute Laune hat, während man selbst noch versucht, erstman den Kaffee zu lokalisieren. Er so: "Cool, du bist wach? Ich bin auch wach - was steht an?" Seit jeher wurde er als vielseitiger Gebrauchshund gezüchtet – und das merkt man ihm an. Er ist wachsam, clever, selbstständig und hat eine Meinung zu allem. Und zwar immer.
Hinter dem bärtigen Charme steckt ein Hund mit viel Temperament und einem sehr ursprünglichen Arbeitsprofil. Seine Vorfahren haben Hof und Stall bewacht, Schädlinge gejagt und eigenständig Entscheidungen getroffen. Diese Gene sind nicht einfach verschwunden – sie sitzen noch heute kerzengerade im Schnauzer und melden sich zuverlässig, wenn es sich für ihn lohnt.
Damit wären wir beim der Realitätscheck: Ein Schnauzer ist kein Couch‑Accessoire (jedenfalls nicht ausschließlich..). Er hat Energie und Willensstärke. Ohne klare Führung, Struktur und Beschäftigung kann er unangenehm werden und seine eigene Agenda durchzusetzen versuchen. Dazu gehört oft ein ausgeprägter Jagdtrieb. Wer glaubt, ein Schnauzer würde aus reiner Höflichkeit zurückkommen, während ein Reh durchs Bild hüpft, sollte seine Erwartungen vorsichtig neu sortieren.
Der Schnauzer ist ein Hund, der weiß, was ihm wichtig ist. Futter, Liegeplätze, Stöckchen, der Mensch – alles potenzielle Schätze. Und er verwaltet sie - wenn man ihn lässt - beharrlich wie ein kleiner, bärtiger Sicherheitsbeauftragter... oder er geht einem damit tierisch auf den Keks, damit man sich mit ihm beschäftigen möge.
Innerartlich zeigen Schnauzer doch eher raumeinnehmendes Verhalten, als daß sie Konflikten aus dem Weg gingen. Vor allem haben sie eine gewisse Individualdistanz. Das gestaltet sich übrigens beim Riesen- oder Zwergschnauzer nicht anders. Schnauzerbesitzer wissen, wie man eine Leinenlänge Distanz zu Passanten mit Hund wahrt und ihnen sind gedankenlose Massentreffen auf Hundewiesen doch eher suspekt... Schnauzer sind darum nicht weniger sozialverträglich - sie bevorzugen eine gewisse Distanz zu fremden Artgenossen, lassen sich aber durchaus gut auf moderierte Begegnungen ein. Das bringt mich auf den Hinweis, dass meiner Erfahrung nach Schnauzer andere Hunde im Haushalt mögen, akzeptieren und mit ihnen harmonieren, sie aber nicht zwingend für ihr eigenes Wohlbefinden benötigen. Meine Hunde lebten und leben regelmäßig mit Hunden des gleichen und anderen Geschlechts, Pflege- und Pensionshunden, Nachwuchs und Oldies und vor allem Hunden unterschiedlichster Rassen zusammen.
Kommen wir zum "außen" und "innen": während andere Hunde entspannt durchs Leben trotten, hat der Schnauzer ein eingebautes Radar, das permanent scannt, was die Aussenwelt an Geräuschen, Gerüchen, potenziellen Aufgaben und Bewegung zu bieten hat. Der Mensch ist nicht der Nabel seiner Welt, jedenfalls nicht, solange es Spannenderes gibt. Bindung kann auch Distanz zeigen. Schnauzer muss man an ihre Orientierung am Menschen erinnern - gerne täglich. Sie sind draußen, bevor sie überhaupt draußen sind und fühlen sich für alles zuständig - wenigstens für einen kleinen Check up!
Wenn Sie bis hierhin gelesen haben, und immer noch - oder erst recht - Lust auf so ein bärtiges Kompetenzpaket haben, heißt die uneingeschränkt gute Nachricht: Schnauzer machen unglaublich viel Spass!
Wer bereit ist, diesem Hund Orientierung zu geben, bekommt einen Partner, der mitdenkt, mitfühlt und mitmacht. Ein Schnauzer ist ein Allrounder – sportlich, humorvoll, eigenständig und dennoch sensibel. Seine Menschen durchs Leben zu begleiten, ist sein Job. Er ist ein hervorragender Reisebegleiter, ein wachsamer Familienhund und ein echter Stimmungsaufheller. Er bringt einen regelmäßig dazu, über ihn oder sich selbst zu lachen – spätestens dann, wenn man merkt, dass der Hund einen wieder einmal besser im Griff hat als umgekehrt.
Natürlich sind rassetypische und individuelle Eigenschaften mal mehr, mal stark weniger ausgeprägt. Schnauzer sind ganz normale Hunde - ihre Eigenschaften liegen nur nicht jedem - so wie es für jede andere Rasse und ihre "Zielgruppe" auch gilt.
Kurz gesagt:
Für Menschen, die einen klugen, aktiven und charakterstarken Gefährten suchen, mit dem sie auch die ein oder andere Diskussion und Beratungsresistenz aushalten, machen sie das Leben allemal ein wenig bunter, lebendiger und unterhaltsamer.